Tournesol

Kurzdefinition: roter Farbstoff

Historische Bedeutung: Tournesol, Lackmuspflanze, Heliotropium tricoceum C. B.; Croton tinctorium L.; Auch eine Art Flechten, die Orseillenflechte soll zur Bereitung des Lackmuses dienen, ja derselbe soll eigentlich in Holland nur aus dieser Orseille bereitet werden. [...] In Holland und Frankreich giebt man den Namen Tournesol oder Tornesol verschiedenen färbenden Dingen. So z. B. den Färbeläppchen aus der Levante und von Venedig, welche man in Italien auch Pezzete oder Bezzete, Bezette da tingere, Pezette colorate heißt. Diese Läppchen dienen zum Färben des Liqueurs, der Conditorwaaren, der Backwerke und einiger Produkte der Kochkunst. Dann versteht man unter Tournesol auch eine mit Cochenille oder Scharlachbeeren gefärbte Baumwolle, die aus Portugal in kleinen runden Kugeln von der Größe eines Thalers kommt, aber auch in Frankreich, Deutschland etc. bereitet wird, wie die andern Fabrikate unter dem Namen Tournesol. Die Portugiesische wurde gleich den Italienischen Tournesolarten gebraucht, nämlich zur Bereitung der Schminken, zum Färben der Liqueure, der Fruchtgallerte etc. Der Italienische und Levantische Tournesol oder die Pezette ist auch in allen andern Farben und Schattirungen zu haben, nämlich blaß= oder dunkelgelb, grün, blau, braun, violett etc. Die Rosen= und Carmoisinfarbe ist die theuerste. -- Man handelt diesen Artikel entweder jede Farbe besonders, oder in verschiedenen Farben durcheinander sortirt. Die Läppchen sind von Flor, Zindeltaffet, feiner Leinwand etc. und mit Farben getränkt, in kleine Bündchen gewickelt, und in Packete von ganzen, halben und Viertelpfunden mit Papier umschlagen, worauf das Zeichen der Fabrik gestempelt ist. [...] (Krünitz Artikel Tournesol 168, 508-509)

Schreib- und Sprachvariationen: anstrich auß der Appoteggen, farb tüecher, farb türcher, farb tiecher, farbtiecher, spänisches flökhl

Rezepte:

  1. [Gallrat von Schleyen, Hecht und Foren]. (Ein new Kochbuch, 1581)
  2. [Mandelkäs in allerley Farben] (Ein new Kochbuch, 1581)
  3. Rottes Eyß von zugger. / (Dückher Kochbuch, 1654)
  4. Item Mandl Khäß zumachen. (Dückher Kochbuch, 1654)
  5. Die Rumel Sultz. / (Dückher Kochbuch, 1654)
  6. Item ein gesültzte Millich zumachen. / (Dückher Kochbuch, 1654)
  7. Item Braun Fenichl Sultz zumachen. / (Dückher Kochbuch, 1654)
  8. Item eingemachte Khütten. (Dückher Kochbuch, 1654)
  9. Item eingemachte Khütten. (Dückher Kochbuch, 1654)
  10. Item Landts Öpfl einzumachen. (Dückher Kochbuch, 1654)
  11. Zukher hollahippen mit underschidlichen Farben. (Kochbuch des Carolus Robekh, 1679)
  12. Rothe Quitten= Zelten. (Vollständiges Nürnbergisches Kochbuch, 1691)
  13. Kitten leckherl Zurichten (Das Kochbuch der Ursulinen, 1716)
  14. Öpfel in der Sulz Zu machen (Das Kochbuch der Ursulinen, 1716)
  15. Wie man die Pändl Sulzen macht (Das Kochbuch der Ursulinen, 1716)
  16. Den Citrony Einzusiedten (Das Kochbuch der Ursulinen, 1716)
  17. Wie man die Busserln macht (Das Kochbuch der Ursulinen, 1716)
  18. Wie man die Rotte ßulz macht (Das Kochbuch der Ursulinen, 1716)
  19. Blabe ßulz Zumachen (Das Kochbuch der Ursulinen, 1716)
  20. Öpfel in der ßulz (Das Kochbuch der Ursulinen, 1716)
  21. Zitteron ein Zu machen (Das Kochbuch der Ursulinen, 1716)
  22. Wie man Den Gemälbierdten Mandl Dortten macht (Das Kochbuch der Ursulinen, 1716)
  23. Ein schöne Mandl Sulz Zu machen von Virley farben (Das Kochbuch der Ursulinen, 1716)
  24. Daß Auf Geloffene Zuckher werch Von Tragandt (Das Kochbuch der Ursulinen, 1716)
  25. Kütten anderst (Neues Saltzburgisches Kochbuch, 1718/19)
  26. Aepffel in rothem Safft mit weissen oder gelben Cirtroni oder Pomerantzen Kräutlein geziert (Neues Saltzburgisches Kochbuch, 1718/19)
  27. Ein rothen Dorten zu machen: dergleichen auch Schüssel=Koch etc. (Neues Saltzburgisches Kochbuch, 1718/19)
  28. Die schöne durchsichtige / süsse Sulz zu machen / von unterschiedlichen Farben mit Haussen= Blater / oder Blasen. (Neues Saltzburgisches Kochbuch, 1718/19)
  29. Karpffen blau / oder heiß abgesotten / in der Sultzen zu geben. (Neues Saltzburgisches Kochbuch, 1718/19)
  30. Der aufgestrichene / gefärbte und geschobene Mandel= Schmarren. (Neues Saltzburgisches Kochbuch, 1718/19)
  31. Der Melliert= und Schattierte Mandel=Dorten mit 5. oder 6. Farben. (Neues Saltzburgisches Kochbuch, 1718/19)