Pomerantzen gantz einzumachen.

Aus: Vollständiges Nürnbergisches Kochbuch (1691), Teil 15, Nr. 006

Originalrezept:

NEhmet schöne Pomerantzen= Aepffel / die weder Flecken noch Mangel / sondern dünne schöne Schelffen haben / und vollkommen an Safft seyn / schneidet sie aber nicht tieff hinein / sondern Stern= weiß / man kann solche auch zuvor schrauben / löset nur die Schalen auf das subtileste / damit der innere Apffel mit seinem Häutlein gantz bleibe / und nichts daran verletzet werde / die äussere Schale aber muß / wie gedacht / auf das allerdinnest und zarteste / mit grossem Fleiß von den Aepffeln gelöst werden / unten und oben aber daran bleiben / daß es anzusehen / als stünde der Apffel nur gleichsam in der Schalen ; absonderlich aber muß aussen her das weisse zarte Häutlein gantz bleiben / daß der Apffel von dem sieden nicht möchte verletzet werden : wann man die Pomerantzen also beschnitten und zugerichtet / leget sie in ein reines und verglästes Geschirr / darinnen sie wol Raum haben / giesset frisches Brunnen= Wasser daran / deckets wol zu / und lassets Tag und Nacht stehen / seihet das Wasser davon / und giesset wieder ein frisches daran / lasst es ferner stehen / wie zuvor / und dieses Wassers auf= und zugiessen wiederholet jeden Tag zwey mal; leget auch ein subtiles Bretlein darauf / damit sie im Wasser nicht übersich schwimmen; und wann sie / wie gedacht / ein paar Tage gewässert haben / hebet diese Aepffel heraus in einen schönen verglasurten Hafen / oder breite Kachel / giesst wieder / wie zuvor / ein frisches Brunnen= Wasser daran (man kans auch / welches noch besser / in ein siedendes Wasser legen) daß es darüber zusammen gehe / deckets geb zu / stellets auf eine Glut von fernen zum Feuer / lassets allgemach sieden / biß die Schalen lind zu werden beginnet; legts dann heraus auf ein schönes weisses Tuch / bedeckets alsobald mit einem andern: Giesset hernach das Wasser in eine grosse messinge Pfannen / darinnen die Aepffel zuvor gesotten haben / thut Zucker daran / und wann dieselbe von zimlicher grösse sind / zu dreyen Aepffeln ein Pfund deß schönsten Zuckers / und zu einem Pfund Zucker eine halbe Maas dieses Wassers / darinnen die Aepffel gesotten haben (wiewol man auch / welches fast noch besser / ein frisches Röhrenwasser dazu nehmen kann) sind sie aber gar groß / so nehmet zu dreyen Aepffeln fünff viertel= Pfund Zucker / damit sie mit der Brüh / wann sie gesotten / wol mögen bedecket werden : stosset den Zucker / schüttet ihn / wie gedacht / in das Wasser / oder leget nur ein Stücklein nach dem andern darein / lasset ihn alsdann wol sieden / wie einen Syrup oder Julep / doch also / daß er nicht zu dick werde / alsdann lasset ihn verkühlen : unterdessen leget die Aepffel in ein was weites Geschirr / oder auch nur in dieses / worinnen sie gewässert worden / und giesset den gesottenen Zucker darüber / lasst sie wol bedeckt zwey oder drey Tage / nach dem die Aepffel den Zucker bald oder langsam annehmen / stehen; seihet selbigen / wann er wässericht werden will / davon ab / und siedet damit die Aepffel wiederum / wie zuvor / ab / wiederholet dieses zum dritten mal / biß die Aepffel schön durchsichtig sind; man muß aber fleissig im sieden Achtung haben / daß sich die Schelffe nicht abstosse / noch auch die Schalen gar zu weit von den innern Aepffeln sich abziehen : setzet sie so dann in einem Geschirr auf / oder aber neben einander; lasset diese Zucker= Brüh noch ferner etwas dicklicht sieden / biß sie Fäden spinnet; alsdann erkalten / wie zuvor / giessets wieder über die Aepffel / und behaltets zum Gebrauch auf; sollte die Brüh zu wässericht werden / so übersiedet sie nochmal gleich den vorigen.

Übersetzung:

Eingelegte Orangen

Transkription:

Marlene Ernst

Zitierempfehlung:
Marlene Ernst (Transkription): "Pomerantzen gantz einzumachen.", in: Vollständiges Nürnbergisches Kochbuch (1691), Teil 15, Nr. 006,
online unter: https://gastrosophie.sbg.ac.at/kbforschung/r-datenbank/?rdb_rezepte=pomerantzen-gantz-einzumachen (27.01.2022).

Datenbankeintrag erstellt von Marlene Ernst.