Pfaffen= Schläpplein / auf andere Art.

Aus: Vollständiges Nürnbergisches Kochbuch (1691), Teil 13, Nr. 126

Originalrezept:

NEhmet etliche gute Parstörffer= Aepffel / schählet und schneidet sie Plätzlein= weiß / wie zu einem Aepffel= Mus / oder man kans auch würfflicht / wie die vorgedachte schneiden; thut sie dann in einen stollichten Hafen / giesset einen guten gemeinen oder auch süssen Wein daran; lasset also die Aepffel ein wenig darinnen dünsten / biß sie etwas weich werden / und man sie ein wenig abrühren kan; wiewol sie eben nicht so glatt seyn müssen / wie zu einem Aepffel= Mus: Indessen hacket abgeschählte Mandeln klein / mischet ein geriebenes Eyerbrod darunter; thut in einem Pfännlein geriebenen Zucker dazu / und röstets mit einander / biß das Brod schön gelblicht wird; hernach rühret das Geröstete / samt den gedünsteten Aepffeln / in einem Napff zusammen / würtzet es mit Zimmet / Cardamomen / und ein wenig Muscatnuß: mischet auch von eingemachten Sachen darunter / als Citronat / und würfflicht= geschnittene Citronen= und Pomerantzen= Schelffen / zuckerts / so süß als mans verlangt: Ist diese Füll oder dieses Gehäck etwan noch zu dick / so kan mans mit ein wenig süssen / oder / aus Mangel dessen / einen gemeinen Wein verdinnern; beliebts / mag man auch ein wenig gewaschene Weinbeere oder Corinthen darunter rühren / und nur einen einigen Sud im Wein thun lassen. Dann machet ferner einen Teig an / klopffet zwey oder drey Eyerdottern / rühret ein wenig Zucker darunter; machet von dem schönsten Mehl in einem Näpfflein ein anders Teiglein an / walchert es aus / wie zu den Raffioln / rädelt oder schneidet viereckichte Plätzlein daraus / so groß man sie verlangt; thut ein Häufflein von dieser süß= angemachten Füll darauf / und druckt die vier Eck deß Teigs darüber zusammen / so werden viereckichte Bündelein daraus: Machet dann ein Schmaltz in einer Pfannen heiß / und bachets geschwind ab. *

* Diese Pfaffen= Schläpplein kan man auch in einem Oefelein / ausser dem Schmaltz / bachen / zumal so sie jemand zu schmaltzig fürkommen solten; doch kan man sie auf beederley Art / wann sie alle zusammen fertig / mit einem zerklopfften Gelben vom Ey überstreichen; und wer gerne süß essen mag / letzlich einen Zucker / oder auch ein wenig klein= gestossene Zimmet / durch einen Seiher oder Durchschlag darauf streuen.

Anmerkung:

  • Schlappe ist ein alter Ausdruck für Mütze, Hut.  Hier wird ein süßes gefülltes Kleingebäck als Pfaffenschläpplein bezeichnet, weil es durch die Vierteilung an die damalige Kopfbedeckung eines Geistlichen erinnert. Auch heute noch gibt es Rezepte für Pfaffenhütchen oder Pfaffenkäppchen. Oft werden auch nur drei Ecken in der Mitte zusammengeschlagen, sodass ein Dreispitz entsteht.
  • Parstörffer= Äpffel  =  Sammelbegriff verschiedener Kulturäpfel, gehen auf die älteste deutsche Apfelsorte zurück, den Edelborsdorfer Apfel (erstmals erwähnt 1175); genetisch ähnlich: der Maschanzker Apfel.

Transkription:

Andrea Sobieszek

Zitierempfehlung:
Andrea Sobieszek (Transkription): "Pfaffen= Schläpplein / auf andere Art.", in: Vollständiges Nürnbergisches Kochbuch (1691), Teil 13, Nr. 126,
online unter: https://gastrosophie.sbg.ac.at/kbforschung/r-datenbank/?rdb_rezepte=pfaffen-schlaepplein-auf-andere-art (26.01.2022).

Datenbankeintrag erstellt von Andrea Sobieszek.