Kaffee.

Aus: Die süddeutsche Küche (1858), S.286/5

Originalrezept:

So allgemein dieses Getränk ist, und so einfach die Bereitung desselben, ist er doch gar oft nicht, wie er sein könnte. Schon beim Brennen wird nicht immer die gehörige Aufmerksamkeit verwendet. Man soll ihn vorher abwischen und aussuchen, denn einige schlechte Bohnen verderben, da sie schneller schwarz werden, den Geschmack des ganzen. Wenn man ihn in der Trommel auf offenem oder in der geschlossenen Pfanne am Sparherd bratet, muß das Feuer nur außer, nicht unter derselben gerichtet sein. Nebst dem unausgesetzten Drehen ist es notwendig, sie oft in die Höhe zu nehmen und recht zu schütteln. Wenn der Kaffee stark raucht und zu krachen anfängt, sieht man nach, und sobald er zimmtfarb und glänzend wird, gibt man ihn in die Büchse, oder wenn er schon genug schwitzt, in ein Sieb. Macht man ihn mit Wasser, wovon er am schmackhaftesten wird (besonders zum schwarz trinken), so sind 3 Loth von geriebenem Kaffee zu 1 Seidel Wasser genügend. Bei Sud gibt man natürlich weniger.
Unter den zahllosen Arten von Kaffeemaschinen gehören die so gewöhnlichen Filtrirmaschinen noch immer zu den besten; den Kaffee muß man aber fest eindrücken, wobei man das Sieb nicht auf dein Unterteile stehen lassen soll, da immer etwas durchgeht, und Wasser, oder den recht klaren Sud muß man kochend in kleinen Portionen aufgießen, ohne Rühren oder anderen Versuchen, daß es schneller durchfließe. Um klaren, immer gleichen Sud zu haben, ist es gut, den Kaffee dann mit so viel Wasser, als man täglich aufgießt, zugedeckt zu kochen, und wenn er verschäumt hat, mit etwas kaltem Wasser abgeschreckt, sich setzen zu lassen. Wenn das Klare nach dem Erkalten in eine Flasche gefüllt wurde, wird der Satz weggeschüttet.
Doch alle Güte und Reinheit des Kaffee’s genügt nicht, wenn das Obers zu leicht ist, oder einen Beigeschmack hat. Um im Nothfalle zusammengelaufenes Obers doch brauchen zu können, gibt man bei 1 Seidel eine Messerspitze voll Soda (wie man sie zum Einnehmen hat), und etwas Zucker, in dasselbe und sprudelt es auseinander. Dies ist unschädlich, und das Obers sieht dicker aus, als vorher, doch freilich ist es nicht ganz so wohlschmeckend, als im natürlichen Zustande.

Transkription:

Julian Bernauer

Zitierempfehlung:
Julian Bernauer (Transkription): "Kaffee.", in: Die süddeutsche Küche (1858), S.286/5,
online unter: https://gastrosophie.sbg.ac.at/kbforschung/r-datenbank/?rdb_rezepte=kaffee (15.08.2022).

Datenbankeintrag erstellt von Julian Bernauer.