Güldene Schnitten.

Aus: Vollständiges Nürnbergisches Kochbuch (1691), Teil 13, Nr. 045

Originalrezept:

SChneidet ein Eyerbrod / entweder einen Gogelhopffen oder Eyerkuchen zu Plätzen; zerklopffet hernach drey oder vier Eyer in einem Häfelein / saltzets ein wenig / zuckerts / giesset Rosenwasser / nach belieben / daran / und rührets wohl unter einander; ziehet die Schnitten zuvor durch einen Ram oder Kern: nehmet dann einen erdenen Deller oder Schüssel / giesset die gerührten Eyer darein / und ziehet die Schnitten ebenfalls dadurch / und zwar eins / zwey oder mehr / so viel man nemlich auf einmal bachen kan / und so fort: Lasset indessen ein Schmaltz in einer Pfannen heiß werden / und wieder ein klein wenig erkuhlen / leget die durchgezogene Schnitten darein / und bachets schön gelb heraus. *

* Man kan diesen Teig zu den Schnitten / auch ohne Kern / nur allein mit Rosenwasser anmachen / doch sollen sie von dem Kern etwas mürber werden; ingleichen auch / kan man das Rosenwasser / weil es nicht jederman anständig / davon lassen.

Anmerkung:

  • Diese Güldenen Schnitten werden andernorts auch Arme Ritter genannt, bereits im 14. Jh. gibt es eine diesbezügliche Erwähnung. Laut dem DWB galten damals Arme Ritter als mindere Speise; heute sind sie vor allem bei Kindern beliebt, z.B. mit Ahornsirup oder Zimtzucker.
    Derartige Schnitten, vor allem als Teil eines reichhaltigen Frühstücks, sind aus England bekannt (Poor Knights of Windsor), den USA und Kanada (French Toast), Frankreich (pain perdu), Spanien (torrijas) und zahlreichen anderen Ländern.
  • Wenn zwischen zwei Semmelschnitten Powidl (= dick eingekochtes Zwetschkenmus) gestrichen wird, diese dann durch Eiermilch gezogen und herausgebacken werden, spricht man von Reichen Rittern, in Bayern und Österreich von (Zwetschken)Pofesen. Diese sind heute noch Bestandteil der bäuerlichen regionalen Küche und werden gern bei Festen und auf Bauernmärkten angeboten.

Transkription:

Andrea Sobieszek

Zitierempfehlung:
Andrea Sobieszek (Transkription): "Güldene Schnitten.", in: Vollständiges Nürnbergisches Kochbuch (1691), Teil 13, Nr. 045,
online unter: https://gastrosophie.sbg.ac.at/kbforschung/r-datenbank/?rdb_rezepte=gueldene-schnitten (21.01.2022).

Datenbankeintrag erstellt von Andrea Sobieszek.