Groß Eyer.

Aus: Kunst und Wunderbüchlein (1631), Kapitel 02, S. 64

Originalrezept:

Brich Eyer hüpschlich an spitzlin auff / thu Würtz vnnd saltz / Zimmetblüh / Muscatblüh / oder Muscat darein / rührs mit einem höltzlin wol vntereinander / mach das löchlin oben zu mit Eyerklar. Magst sie al= so braten in Buttern oder heisser Aschen.

Anmerkung:

Der Rezepttitel „Groß Eyer“ hat nichts mit der Größe der Eier zu tun; in diversen Ausgaben der „Küchenmeisterey“ ab Ende des 15.Jh., die z.T. auf noch frühere Handschriften zurückgehen, ist von „Kroß ayern“ die Rede. Das DWB führt ein „Krosei“ an, als Ei in einer bestimmten Zubereitung, ohne diese näher zu definieren. Am ehesten ist mE damit das Garen einer gewürzten Eiermasse in der Schale zu verstehen. So werden auch in Balthasar Staindls Kochbuch (Ausgaben 1544, 1560) in einem ähnlichen Rezept „Kroß ayer“ erwähnt (Sechstes Buch, S. 37); dort wird eine weiche Eierspeise zurück in die ausgeblasenen Eier gefüllt, die danach an einem Spieß aufgereiht fertig gegart werden. Im Vollständigen Nürnberger Kochbuch von 1691 findet man zwei Rezepte, die mit „Grüne Eyer oder Gras-Eyer“ betitelt sind. Womöglich hat man zu dieser Zeit „kroß / groß“ nicht mehr verstanden und als „Gras“ interpretiert, und folglich die Eiermasse grün gefärbt. Dort wird die Eiermasse nämlich mit Petersilie vermischt, bevor sie wieder in die ausgeblasenen Eier gefüllt wird (Kap. 11, Rez. Nr. 012 und 013). Möglicherweise ein Rezept für die Frühlings- bzw. Osterzeit.

Transkription:

Andrea Sobieszek

Zitierempfehlung:
Andrea Sobieszek (Transkription): "Groß Eyer.", in: Kunst und Wunderbüchlein (1631), Kapitel 02, S. 64,
online unter: https://gastrosophie.sbg.ac.at/kbforschung/r-datenbank/?rdb_rezepte=gross-eyer (24.01.2022).

Datenbankeintrag erstellt von Andrea Sobieszek.