Gefüllten Magen von dem Hammel zu zurichten.

Aus: Ein new Kochbuch (1581), Kapitel 01, Teil 05, Nr. 13

Originalrezept:

Wasch jhn fein sauber auß / vnd reib jn mit Saltz / nim(m) rohen Speck vnd Zwibeln / schneidts fein breit / vnd schweiß in einer Butter / vnd sihe / daß du es nicht verbren(n)est / schlag darnach ein Ey / drey oder vier davnter / rür es durcheinander / vnnd mach ein eingerürtes / vnd thu darvnter grüne Kräuter / rürs damit ein / vnd machs wol dick / schneidt den Speck fein klein / vnnd hack es durcheinander / vnd wenn du die Füll wilt anmachen / so nim(m) Saffran / Pfeffer / Saltz vnnd drey oder vier Eyerdotter / hack es durcheinander / so wirdt die Füll gut / füll den Magen darmit / vnd mach jn zu mit einem höltzern Spießlein / setz jn zu mit einem Wasser / vnd laß jn gar an die statt sieden / vnd wenns gesotten ist / so thu jn auß dem Wasser / vnd seuber jn auß / vnd thu jn in einen vberzinten Fischkessel / vnnd gieß ein gute wolgeschmacke Rindtfleischbrüh darüber / Pettersilgen Wurtzel vnd Muscatenblüt / brenn ein wenig Mehl darein / vn(n) laß es darmit sieden / vnd wenns gesotten ist / vnnd du es schier wirst anrichten / so wirff ein wenig vnzerlassene Butter darein / die vngesaltzen ist / vn(n) laß darmit auffsieden / Du magst dieselbige Brüh weiß lassen / oder gelb maché / denn die Füll im Magen ist gelb / daß sichs vergleichet mit der Farb. Du kanst die Füll auch sauer machen mit Limonien. Wiltu es aber auff drey manier haben / so hack Speck / grüne Kräuter / vnd Reiß darvnter / ein Parmesankeß / vnd geriebenen Weck / nim(m) darvnter Eyerdotter / daß die Füll beysammen bleibt / vnd versaltz sie nicht / denn der Parmesankeß ist vorhin gesaltzen / füll den Magen damit / vnd speil jn zu / setz jn zu in einem Wasser / daß es gar an die statt gesotten wirt / nim(m) jn auß der Brüh / vn(n) leg jn auff ein Roßt / vnd breun jn fein ab auff beyden seiten / begieß jhn mit frischer Butter / vnnd wenn du jn schier wirst anrichten / so nim(m) am ersten den Parmesankeß / vnnd sträw ein wenig in die Schüssel / oder in ein silbern Blat / vnnd leg den Magen darein / sträw widerumb mit dem Parmesankeß vber den Magen / begieß jn mit frischer vngesaltzener Butter / decks zu mit einer andern Schüssel / daß es fein warm auff den Tisch kompt / so ist es ein gut Welsch essen / den(n) der Wahlen Speiß ist das meiste theil mit Parmesankeß besträuwet / vnnd es habens auch nit ein wenig Teutschen gelehrnet / sonderlich die in Welschlandt gewesen / denn ein jedes Landt hat sein besondern brauch / art vnd eygenschafft / Also kan man auch außländische Leut halten mit seltzamen Speisen.

Transkription:

Sepp Meister, Steffi Schinagl

Zitierempfehlung:
Sepp Meister, Steffi Schinagl (Transkription): "Gefüllten Magen von dem Hammel zu zurichten.", in: Ein new Kochbuch (1581), Kapitel 01, Teil 05, Nr. 13,
online unter: https://gastrosophie.sbg.ac.at/kbforschung/r-datenbank/?rdb_rezepte=gefuellten-magen-von-dem-hammel-zu-zurichten (20.01.2022).

Datenbankeintrag erstellt von Maximilian Schmidauer.