Eys von allerhand Farben auf die Torten.

Aus: Bewehrtes Koch-Buch (1759), N. 361

Originalrezept:

Nimm von 3. Eyern die Klar, schlage es faumet ab, rühre gefähten Zucker darein, daß in der Dicken wird wie die Kinds= Köchel, rühre es in erdenem Geschirr eine Viertelstund, daß schön zäh wird, theil es ab, so vielerley Farben man machen will, eines laß weiß, das andere mache rot, mit eingesottenem Alkermes= Saft*, das dritte grün, mit Spenat= Topfen, das vierte braun, mit klein= geriebener Cioccolate, das fünfte gelb, mit ganzem ausgesottenem Saffran, oder Pomeranzen= Schalen, in Zucker abgerieben, und gestossen, in das andere Eys gethan, das sechste blau, mit eingesottenem Veigel= Saft. Wann die Torten gebacken seynd, streich ein jedes besonder, schön zierlich, oder nach Belieben, eines auf das andere, aber allzeit das erste gebacken, ehe das andere darauf gestrichen wird, und also fort, in der Höhe kan man es mit gefärbten geschnittenen Citronat, und stiftelten Pistatzi bestreuen, die Torten mit eingemachten Weichseln, Marillen, und ganzen Hetschepetsch zieren.

Anmerkung:

* Der rote Alkermes-Saft wurde aus den getrockneten Hüllen abgestorbener weiblicher Cochenille-Schildläuse gewonnen, die im Orient und Mittelmeerraum als Parasiten auf bestimmten Bäumen saßen und ihre Eier mit dieser Schutzhülle umgaben. Aufgrund ihrer kugeligen Form wurden sie früher für Beeren gehalten (Scharlach- oder Kermesbeeren). Alkermes war wesentlich günstiger als der aus der Purpurstachelschnecke gewonnene Farbstoff, der in der Antike nur für die Kleidung von Herrschern und später für Päpste und Kardinäle verwendet wurde.

Transkription:

Andrea Sobieszek

Zitierempfehlung:
Andrea Sobieszek (Transkription): "Eys von allerhand Farben auf die Torten.", in: Bewehrtes Koch-Buch (1759), N. 361,
online unter: https://gastrosophie.sbg.ac.at/kbforschung/r-datenbank/?rdb_rezepte=eys-von-allerhand-farben-auf-die-torten (12.08.2022).

Datenbankeintrag erstellt von Andrea Sobieszek.