Erdtepffel.

Aus: Ein new Kochbuch (1581), Kapitel 08, Nr. 037

Originalrezept:

Schel vnd schneidt sie klein / quell sie in Wasser / vnnd druck es wol auß durh ein Härin Tuch / hack sie klein / vnd rößt sie in Speck / der klein geschnitten ist / nim(m) ein wenig Milch darvnter / vnd laß darmit sieden / so wirt es gut vnd wolgeschmack.

Anmerkung:

  • Laut Wikipedia wurde lange Zeit fälschlicherweise angenommen, dies sei das erste Kartoffelrezept Deutschlands; doch dies ist für das ausgehende 16. Jh. höchstwahrscheinlich noch zu früh.
    Es könnte sich um sogenannte „Erdkastanien“ handeln, wie die Knollen zweier Doldenblütler genannt werden: Knollenkümmel und Knollenkerbel. Erdkastanien werden heute noch fallweise als Gemüse zubereitet.
    Auch „Erdnüsse“ (Saubrod, Erdfeigen, Erkelnüsse, Grundeicheln,…) kommen in Frage, laut Krünitz ein mitteleuropäisches Unkraut, das kleine, schmackhafte Knollen liefert.
  • In einem Gartenbaubuch von 1715 (Leipzig) werden „Erdartischocken“ auch als „Erdäpffel“ bezeichnet, allerdings handelt es sich dabei um Topinambur. Diese Knollen bzw. Rhizome ähneln stark der Kartoffel und werden ähnlich gepflanzt und zubereitet, gehören jedoch zu einer anderen botanischen Familie. Außerdem ist es unwahrscheinlich, dass diese (ebenfalls nordamerikanischen) Knollen zu Rumpolts Zeiten bereits in Deutschland bekannt waren.
  • Im gleichen Buch ist auch von Tartuffeln die Rede, wobei es sich bereits tatsächlich um das Nachtschattengewächs Kartoffeln handelt. Es wird ausdrücklich auf den Unterschied zu den italienischen Tartuffeln / Erdmorcheln hingewiesen, wie die Trüffeln damals bezeichnet wurden.

Transkription:

Andrea Sobieszek

Zitierempfehlung:
Andrea Sobieszek (Transkription): "Erdtepffel.", in: Ein new Kochbuch (1581), Kapitel 08, Nr. 037,
online unter: https://gastrosophie.sbg.ac.at/kbforschung/r-datenbank/?rdb_rezepte=erdtepffel (28.11.2022).

Datenbankeintrag erstellt von Andrea Sobieszek.