Einen Schnee zu machen.

Aus: Vollständiges Nürnbergisches Kochbuch (1691), Teil 14, Nr. 040

Herkunftsbezeichnung(en): Spanischer Wein

Originalrezept:

SChneidet schöne breite Schnitten von neu= gebachenen Semmeln / bähet sie licht= gelb; leget selbige in eine Schüssel / und oben über und über abgezogene Mandeln / entweder gantz oder halb zerschnitten / mit ausgekörnten Rosinen und Weinbeeren untermischet / darauf / überstreuet sie starck mit Zucker (man kan auch ein Trisanet darunter nehmen) giesset gar was weniges von dem besten Kern oder süssen Ram / den ihr bekommen könnet / darüber / damit sie weichen; das übrige aber von besagten Kern oder Ram zerklopffet in einem verglasurten Topff oder Hafen / biß er über und über gistet oder schäumet; nehmet dann diesen Schaum oder Gest / mit einem besondern reinen Löffel / oben herab / leget ihn auf die Mandeln / Rosine und Schnitten: rühret und klopffet den Ram so dann ferner / hebet den Gest oder Schaum noch mehr ab / leget und häuffelt ihn immerzu auf / biß er einem Berglein gleichet. Es will aber dieser Schnee meinst im Winter / oder aber zur Sommer= Zeit an einem wohl kalten Ort gemachet werden: Etliche verklopffen von zweyen Eyern das Weisse darunter / vermeinend / daß der Gest oder Schaum desto länger halten und dauren solle / allein wofern der Ram oder Kern gut / ist solches gantz unnöthig: Man pfleget auch Zucker darunter zu rühren / aber der Schnee wird davon schwer / und bleibet nicht gar gerne in der Höhe; dazu ist solches ein Uberfluß / wann zumal / wie oben gedacht / die Semelschnitten gleich anfangs mit Zucker überstreuet / oder aber / wie einige pflegen / mit süssen oder Spanischen Wein angefeuchtet werden.

Oder:
ZIehet die Semmel= Schnitten durch ein Ey / bachet / und überstreichet sie mit kräfftiger Mandel= Füll / legets zu unterst in die Schüssel / feuchtets mit süssen oder Spanischen Wein an; machet den Schnee auf die vorbesagte Art zusammen / und häuffelt ihn schön übersich in die Höhe auf: Vermeint man diesen Schnee zierlicher zu haben / kan man in die mitten der Schalen / ein / von Eyer= Milch / oder Eyer= Käß / oder Butter / oder auch von Mandel= Zeug / oder aber einem Mäyen= Mus / formiertes Lamm oder Hirschen setzen / mit Zimmet überstreuen / und den Schnee neben herum / besagter massen aufhäuffeln.

Oder:
MAn zerklopffe von zehen frischen Eyern das Weisse / eine gute viertel Stund / in einem verglasurten Hafen / siede inzwischen eine Quitten ab / und treibe sie hernach durch ein Sieblein / rühre das zerklopffte Weisse von denen Eyern allgemach / zusamt vier Loht Zucker / darunter / und halte dann mit stetem Rühren noch eine viertel Stund an; setz es in einer Schüssel auf eine Kohl= oder Glut= Pfannen / laß ebenfalls eine viertel Stund darauf stehen / und trags dann zu Tisch.

Anmerkung:

Mäyen= Mus =  hiefür gibt es zahlreiche Rezepte; im obigen Fall dürfte es sich um eine festere Eierkäse-Variation handeln, ev. mit Mandeln und Bröseln, da man ja daraus Tiere formen wollte.

Transkription:

Andrea Sobieszek

Zitierempfehlung:
Andrea Sobieszek (Transkription): "Einen Schnee zu machen.", in: Vollständiges Nürnbergisches Kochbuch (1691), Teil 14, Nr. 040,
online unter: https://gastrosophie.sbg.ac.at/kbforschung/r-datenbank/?rdb_rezepte=einen-schnee-zu-machen (25.01.2022).

Datenbankeintrag erstellt von Andrea Sobieszek.