Einen Karpffen zu braten.

Aus: Vollständiges Nürnbergisches Kochbuch (1691), Teil 03, Nr. 113

Originalrezept:

NImm einen Karpffen der ein Rögner ist / mache denselben am Rucken so lang auf / daß du mit den Fingern das Eingeweid samt der Gallen heraus nehmen kanst / wasche ihn sauber mit frischem Wasser / saltze und würtze ihn / so wol inn= als auswendig / recht ein / und laß ihn also eine halbe Stund darinnen ligen ; indessen löse den Rogen von dem Eingeweid ab / hacke denselben klein / röst ein Semmelmehl im Schmaltz / und mische / wann es schier gelb werden will / den gehackten Rogen darunter / schlage Eyer daran / und würtze es mit Ingber / Pfeffer / Cardamomen / Muscatblüh / und ein wenig dürr= zerriebenen Majoran / oder zerhackten Rosmarin / nach belieben : saltze es / und laß in der Pfannen ein klein wenig über dem Feuer zusammen gehen / dann es laufft auf diese Art nicht so gerne aus / und läst sich der Fisch auch desto besser umwenden : alsdann mach ein frisches Schmaltz heiß / und brenn es in den Fisch hinein / damit ihm der mosichte Geschmack vergehe ; laß es aber gleich wieder heraus lauffen / und fülle dann die zusamm= gemachte Füll in den Fisch hinein / lege denselben in eine dazu gehörige Reisten / setze sie von fernen zum Feuer / und laß den Fisch / ehe du ihn betreifest / gantz gemach ertrocknen / betreiffe ihn nach diesem mit heissen Schmaltz / brate und wende ihn fleissig um auf alle Seiten / daß er überall schön braun und recht ausgebraten werde : will man eine Brüh darüber haben / so bediene man sich der jenigen Cappern= Brühe / so Num. 40. bey den Hechten beschrieben worden : lege dann den Fisch / so er fertig ist / in eine Schüssel / giesse die Brüh neben hinein / und bestreue ihn mit Cappern und frischen klein= geschnittenen Citronen= Schelffen.*

* Es stehet zu eines jeden belieben / ob man den Fisch mit frischem Schmaltz oder Baum= Oel / aussen her / begiessen will ; doch muß man sich darnach mit der Brühe richten : dann wann der Fisch mit Oel betreifft worden / muß auch Oel zu der Brüh genommen werden ; wird er aber mit Schmaltz betreifft / so kan man zur Brüh auch Butter nehmen.

Transkription:

Juliane Wiemerslage

Zitierempfehlung:
Juliane Wiemerslage (Transkription): "Einen Karpffen zu braten.", in: Vollständiges Nürnbergisches Kochbuch (1691), Teil 03, Nr. 113,
online unter: https://gastrosophie.sbg.ac.at/kbforschung/r-datenbank/?rdb_rezepte=einen-karpffen-zu-braten (16.08.2022).

Datenbankeintrag erstellt von Juliane Wiemerslage.