Eine Leber= oder Lebkuchen= Sultze.

Aus: Vollständiges Nürnbergisches Kochbuch (1691), Teil 14, Nr. 034

Herkunftsbezeichnung(en): Leipziger Lebkuchen Rheinischer Wein

Originalrezept:

BRocket einen so genannten Rimpffel= Käß / oder Leipziger Lebkuchen / in einen verglasurten Hafen / giesset den besten Rheinischen Wein daran / und lasset ihn verdeckt / an einem warmen Ort / einen Tag und Nacht / stehen; rühret es aber öffters um / damit der Lebkuchen weich werde; treibet selbigen hernach durch einen Seiher oder Durchschlag / setzet das durchgetriebene zum Feuer / damit es bey einer Glut langsam siede; rührets aber mit einem Koch= Löffel fein langsam in dem Sud / doch also / daß ihr das Braune an dem Boden nicht damit anrühret: wann es nun fast halb eingesotten hat / zwiret Pfeffer / Ingber / und etwas Saffran / mit Wein oder Malvasier / in einem Schüsselein an / und lassets also zimlich lang im Wein stehen / schüttet hernach alles in die Sultze; wolte sie zu geschwind dick werden / giesset nur etwas mehr Wein daran / und wanns genug gewürtzt ist / so zuckerts; streuet gestossene Muscatenblühe darein / und lassets noch ferner sieden / biß sie nimmer wässericht ist: hernach / wann sie genug gesotten hat / hebets hinweg / thut gestossene Zimmet und Cardamomen darein / rühret sie mit Malvasier ab / biß sie ein wenig kalt wird / giest noch ein wenig Malvasier dazu / dann sonsten bekommt sie eine Haut; verbindet den Hafen / und setzet ihn an ein kaltes Ort / so kan man diese Sultze sechs Wochen gut behalten: Wann man nun davon essen will / nehmet etwas davon heraus in eine Schüssel / rühret sie glatt mit Malvasier ab; wäre sie zu dick / wann man sie sieden will / so giesset noch mehr Wein daran / daß sie in der Dicken wird wie ein dünnes Kinds= Mus / so ist sie recht. *

* Will mans aber haben daß sie sich recht etwas steiff sultzen soll / so lasset gleich Anfangs ein gut Stuck Hausen= Blassen mit aufsieden.

Oder:
BRocket Leipziger Lebkuchen / oder Rimpffel= Käß / über Nacht in guten Rheinischen Wein / treibets durch einen Durchschlag / daß sie dick werden wie ein Weitzen= Brey; setzets auf Kohlen / lassets eine halbe Stund sieden / rührets stetig um / daß es nicht anbrenne / zuckerts und würtzets mit ein wenig gestossenen Negelein / etwas mehr Zimmet / Muscatenblühe / Cardamomen / Ingber / und zimlich viel Saffran / damit sie die Farb bekomme; lasset alles zusammen noch eine halbe Stund sieden; wanns zu dick werden will / giesset Wein daran / daß es so dick bleibt wie ein Weitzen= Brey / setzets an einen kühlen Ort / biß man sie geniessen will / alsdann giesset Malvasier / damit sie nicht zu dick seye / daran / und streuet / nach belieben / Zucker und Zimmet darauf.

Anmerkung:

  • Leber= oder Lebkuchen = Offensichtlich wurde die Etymologie des Wortes nicht mehr verstanden (< Fladen, Laib), weil man fälschlicherweise auch „Leber“ anführte; vielleicht auch wegen der ähnlichen Farbe?
  • Rimpffel= Käß  =  diese Bezeichnung für einen Lebkuchen ist ungewöhnlich; die Herkunft ist noch ungeklärt.

Transkription:

Andrea Sobieszek

Zitierempfehlung:
Andrea Sobieszek (Transkription): "Eine Leber= oder Lebkuchen= Sultze.", in: Vollständiges Nürnbergisches Kochbuch (1691), Teil 14, Nr. 034,
online unter: https://gastrosophie.sbg.ac.at/kbforschung/r-datenbank/?rdb_rezepte=eine-leber-oder-lebkuchen-sultze (16.08.2022).

Datenbankeintrag erstellt von Andrea Sobieszek.