Ein gefülltes weisses Kraut / auf eine noch andere Weise.

Aus: Vollständiges Nürnbergisches Kochbuch (1691), Teil 10, Nr. 177

Originalrezept:

NEhmet ein schönes grosses Kraut = Haupt / schneidet die äusserste wurmschichtige Blätter / samt dem grossen und harten Dorschen / ein wenig ab / doch daß die andere Blätter daran / und an einander hangend bleiben ; unterdessen machet ein reines Wasser in einem grossen stollichten Hafen siedend / leget das Kraut = Haupt darein / saltzet / und last es sieden biß weich wird : nehmets darnach heraus auf einen grossen zinnernen oder erdenen Deller / und bieget ein Blat nach dem andern herab / doch also / daß sie an dem Dorschen bleiben / biß auf das Hertz ; schneidet selbiges heraus und hackets klein : nehmt darnach ein gröstetes Semmel = Mehl und gehackten Speck / wie auch einen süssen Ram und zwey oder drey Eyer / samt allerley guten Gewürtz / so viel als beliebt / mischet alles wohl unter einander : Man kan auch Castanien braten / schählen / hacken / und unter diese Füll rühren ; wann es nun alles wohl unter einander gemischet worden / nehmet einen Löffel voll Füll / und füllets in die Blätter ; es muß aber allezeit in ein Blat ein Löffel voll dieser Füll gefüllt werden / biß sie alle gefüllet sind : Leget dann allezeit ein jedwedes Blat über die Füll / daß sie wieder zu stehen kommen wie vorhin / und also einem natürlichen und ungefüllten kraut = Kopff gleichen ; dann muß man dieses also gefüllte kraut = Haupt mit einem Faden Creutz = weiß binden / damit die Blätter nicht von einander fallen : unterdessen thut ein Schmaltz in einen stollichten Hafen / lasts eiß werden / leget das Kraut = Haupt darein / giesset eine gute Fleischbrüh daren / doch nicht zu viel / dann es muß mehr im Schmaltz pratzeln als sieden ; man muß es aber offt umwenden / oder verdrehen / damit es nicht anbrenne : Wanns dann fertig / richtets in eine zinnerne Schüssel an / und tragets zu Tisch.

Transkription:

Maximilian Schmidauer

Zitierempfehlung:
Maximilian Schmidauer (Transkription): "Ein gefülltes weisses Kraut / auf eine noch andere Weise.", in: Vollständiges Nürnbergisches Kochbuch (1691), Teil 10, Nr. 177,
online unter: https://gastrosophie.sbg.ac.at/kbforschung/r-datenbank/?rdb_rezepte=ein-gefuelltes-weisses-kraut-auf-eine-noch-andere-weise (18.08.2022).

Datenbankeintrag erstellt von Maximilian Schmidauer.