Ein anderer Marcipan= Taig / in die Mödel zu drucken / zu allerhand nachfolgenden Figuren zu formiren.

Aus: Neues Saltzburgisches Kochbuch (1718/19), Buch II-2 Kap. 3 Nr. 051

Originalrezept:

HIer nimmt man 1.Pf. des schönsten weissen Zuckers ; läuteret ihn mit Rosen= Wasser oder andern Brunnen= Wassser ab / und laßt ihn sieden in einer schönen kupffernen oder meßingern Pfannen / biß er so dick wird / daß er unten um die Pfannen herum anfangt weiß zu werden ; dann schütte anderthalb Pfund / auf das allerkleinist= geriebene Mandeln darein / und laß es auf einer kleinen Glut unter stetem Rühren so lang stehen / biß der Taig schön trucken und weiß wird / und wann er nicht mehr an den Fingern pickt / so ist er genug / dann thue ihn heraus in ein erdenes Geschirr / decks zu / und laß es kalt werden ; wann diser Taig erkaltet ist ; so nimm einen schönen / durch ein Tuch oder Flor / gantz subtil gesähten Zucker / und soviel der taig zu dem Ausmachen vonnöthen hat / trucke ihn in die Mödel / und laß ihne hernach gebührend abtrücknen.

Aus disem / und den vorhergehenden Marcipanen / kan man allerhand Bilder / Figuren / Pyramiden / Laubwerck und Früchten machen / wie folgt : Erstlich / wird diser Taig in so viele Farben / als man verlangt / abgetheilt und gefärbt , Alsdann wird daraus gemachet : Erstlich roth / mit Durnisoll gefärbten Zucker ; grün mit Spinat= Döpflein ; braun mit Zimet ; weiß ist er vor sich selbst ; dunckel-braun mit geriebener Schockolade ; Safftgrün / blau / und andern Farben / als gelb von Saffran / von Weichseln und andern Früchten= Latwergen.

Jetzt kan von disem Taig folgendes gemacht werden :

  1. Kleine / so wohl gantze / als Brust= Bilder menschlicher Gestalt / wie man die Mödel hat.
  2. Von Pferden / und allerhand vierfüßigen Thieren.
  3. Allerhand wilde Thier oder Wildpret.
  4. Allerhand Gattungen Fisch und Muscheln / wie es die Farben erfordern.
  5. Margaranden.
  6. Rothe Aepffel / und auch unterschiedliche Biern.
  7. Kirschen / Amarellen und Weichseln.
  8. Pflaumen / Kriechen / Zwetschgen / und dergleichen.
  9. Rothe Krebsen.
  10. Erdbeer / Imbeer / Maul= und Brambeer / und was mehrer dergleichen.
  11. Schüsseln von weissen marcipan.
  12. Grüne Schüssel= Schaalen und Teller oder Mandeln gemacht.
  13. Auch braune Geschirr von Mandeln und Marcipan.
  14. Kürbis und melonen / mit allerhand süssen Sachen und Säfften eingerichtet / von Mandeln oder Marcipan.
  15. Cucummern / Feigen / Pfersig und Marillen von marcipan.
  16. Allerhand grüne Biern / gefüllt und ungefüllt / von Marcipan oder Mandeln.
  17. Allerhand grüne Aepffel von Marcipan oder Mandeln gemacht.
  18. Grüne Pflaumen / Fordäschen / Zwetschgen / und allerley erdenckliche Früchte / von Mandeln oder marcipan.
  19. Citronen / Lemonen und Pomerantzen.
  20. Kohlrabi / gefüllten Kopff= Köhl / und dergleichen Kraut / von Marcipan oder Mandeln.
  21. Grüne Erbsen und Fisolen oder Bohnen / in ihrer Hülsen / von Marcipan gemacht / und grüne Bartnus.
  22. Artischocken und Spargeln.
  23. Lange und runde Ruben / auch Rettich von Mandeln oder Marcipan / gestaltet.
  24. Igel / König= Haafen / Aichhorn / und viel andere Thier / aus Mandeln oder Marcipan.
  25. Kleine aufgesetzte Pastetlein oder Dorten / oder Dordoletlein / von weiß / grün / oder braunen Marcipan / eines Thalers= groß / mit allerhand süssen Sachen gefüllt / seyn schön und gut. Oder mach den Boden dick von disem Marcipan= Taig / besteck die Rundung mit überzogenen Zucker= oder Zimmet= Stengel / und mit lang= geschnittnen Pomerantzen= Lemoni= und Citronen= Schelffen / gleich einem Zaun geflochten / und mit eingemachten kleinen Früchten gefüllt / seynd schön und gut.
  26. Braune / welsch Nuß= Schaalen mit weissen Kernen / von Mandeln oder Marcipan.
  27. Maurachen / und allerley Sorten von Schwämmen / aus Marcipan oder mandeln zu machen.
  28. Weiß und grüne / auch blaue Trauben von Mandeln.
  29. Allerhand gebratne Vögel / von Zucker und Mandeln.
  30. Schnecken / mit sammt den Häusern / von Zucker und Mandeln.
  31. Schildkrotten / Biber und Otter / von Mandeln und Marcipan zu machen.
  32. Weiß und braune Castanien von Mandeln.
  33. Pfersig= Kern / von Mandeln oder Marcipan.
  34. Gefälschte Schuncken / von Mandeln oder Marcipan gemachet.
  35. Schweins= Kopff.
  36. Span= Sau.
  37. Bärn= und allerhand Pratzen und Füß / von Mandeln.
  38. Allerhand Gesichter.
  39. Junge Hüner und Hünlein / Tauben / etc.
  40. Capaunen / gleich als gebratner / von Marcipan oder Mandlen gemacht.
  41. Haasen / Hirschen und andere Thier / auch unterschiedliche natürliche Blumen und Hauß= Rath ; sammt allerhand erdencklichen Sachen / auch unterschiedliche Dorten= Pastetlein / und kleine aufgelossene / und auch glatte Bacherey / Laubwerck / und Zug= Dorten.

Und wer den Marcipan und andern weissen Zucker= Taig wohl machen kan ; der kan auch alle schöne Sachen und erdenkliche Seltsamkeiten hervorbringen ; und seynd unter andern die Frantzösischen Karten / Pocal / Venetianische Gundellen , Luft= Schiffe / Triumph= Wägen / Ehren= Säulen / ja gantze Gebäu / Schlösser / Palläst / Ehren= Schild / und Wappen vorstellen / auch Hobel= Schaiden / Hollippen / Wallfisch / Delphinen / Schwanen / Nymphen / Abendtheuer / Cordisanen / Frösch ; absonderlich ist den Augen die Vorstellung eines annehmlichen Brunnen nicht mißfällig ; was aber die Verfestigung unterschiedlicher Thieren / sowohl des Lufts / als Wassers und Erden betrifft / können den Vorwitz der Gedancken vergnügen / befordert die Geschicklichkeit und die Menge der proportionirten Mödeln mit den zierlichsten Farben.

Aus disem und dem nachfolgenden Zucker= Taig / macht man auch schöne Staduen und Figuren / als wie einsmahls zu Olmitz gemacht ist worden die Figur des grossen Risen Atlas / mit der Welt= Kugel auf seinem Ruggen / von Marcipan= und Tragant= Taig / bey vier Schuh hoch / so vollkommen / als ein Mensch= Hand hat können verfertigen ; dise grosse Kugel / hat sich nach Verstreichung einer Viertel= Stund eröffnet / und Blumen / Frücht und Hertz in überreicher Zahl abgeworffen.

Von dem weissen Zucker= Taig aus Tragant angemacht / macht man auch allerley seltsame Gärten / Häuser / Bäum / und allerhand zeit= Vertreib.

Item / von Kütten und Aepffel= Säfften / und dergleichen latwergen / können auch / schier alle dergleichen Sachen / in die Mödel gemacht werden.

Transkription:

Maximilian Schmidauer

Zitierempfehlung:
Maximilian Schmidauer (Transkription): "Ein anderer Marcipan= Taig / in die Mödel zu drucken / zu allerhand nachfolgenden Figuren zu formiren.", in: Neues Saltzburgisches Kochbuch (1718/19), Buch II-2 Kap. 3 Nr. 051,
online unter: https://gastrosophie.sbg.ac.at/kbforschung/r-datenbank/?rdb_rezepte=ein-anderer-marcipan-taig-in-die-moedel-zu-drucken-zu-allerhand-nachfolgenden-figuren-zu-formiren (26.01.2022).

Datenbankeintrag erstellt von Maximilian Schmidauer.