Daß ein Wein nicht konig werde.

Aus: Ein new Kochbuch (1581), Kapitel 20, Teil 1, Nr. 85

Originalrezept:

Item / nim(m) Borras / klein gestossen / vnd in den Wein geworffen / oder drey Handt voll Saltz / wol gebrän(n)t in einer Pfannen / in den Wein gethan / vnd zugespundt / vnd vber acht tag abgelassen / ist bewert.

Anmerkung:

Während des Gärprozesses im Fass bildet sich an der Oberfläche des Traubenmosts durch Fehler des Winzers manchmal eine unerwünschte Schicht von Mikroorganismen, Hefen und Schimmelpilzen, die im 16.Jh. „Kon“, „Kahm“ oder „Blum“ genannt wurde, der Wein begann „zu blühen“. Je nach Farbe und Beschaffenheit konnte dies den Wein gegebenenfalls „konig“ (schimmlig) und „seiger“ (schal) machen, dies wurde auch „verkehren / umschlagen“ genannt, also kippen, verderben, zu Essig werden. Auch bei Bier kam dies oft vor. Es gab eine Vielzahl von vorbeugenden Maßnahmen und „Rettungsversuchen“, die bei Rumpolt ausführlich beschrieben werden.

Im „Kunst- und Wunderbüchlein“ aus derselben Epoche wird gegen das „Anzicken“ des Weines u.a. vorgeschlagen, einige Handvoll „Borressamen“ in einem Säcklein in das Weinfass zu hängen, also Samen von Borretsch / Gurkenkraut. Andererseits ist im gleichen Buch für eine Frauen-Arznei von „borres“ oder „borras“ die Rede, mit dem Hinweis, „in der Apotecken wirds borax genandt“. Das Mineral Borax hat allerdings mit der Pflanze Borretsch nichts zu tun.

Was ist nun bei Rumpolt mit „Borras“ gemeint? Borax ist Bestandteil von Reinigungs-, Bleich- und Desinfektionsmitteln sowie von Kosmetika; die desinfizierende Wirkung würde eher für die Interpretation „Borax“ als für „Borretsch“ sprechen. Außerdem wird bei Rumpolt der „Borras“ in den Wein geworfen und verbleibt darin, während hineingehängte Pflanzenteile nach einigen Tagen wieder entfernt werden. Da früher die Autoren ungeniert voneinander abgeschrieben haben, könnte es sich auch um einen Interpretationsfehler bzw. eine Verwechslung aufgrund der ähnlichen Bezeichnung handeln.

Kategorisierung:

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Hauptzutaten: ,

Transkription:

Andrea Sobieszek

Zitierempfehlung:
Andrea Sobieszek (Transkription): "Daß ein Wein nicht konig werde.", in: Ein new Kochbuch (1581), Kapitel 20, Teil 1, Nr. 85,
online unter: https://gastrosophie.sbg.ac.at/kbforschung/r-datenbank/?rdb_rezepte=dass-ein-wein-nicht-konig-werde (19.01.2022).

Datenbankeintrag erstellt von Andrea Sobieszek.