Eine wilde Gans zu braten.

Aus: Vollständiges Nürnbergisches Kochbuch (1691), Teil 05, Nr. 015

Originalrezept:

ZU vörderst rupffet man die wilde Gänse / hauet ihnen so dann den Kopff und die Flügel ab / nimmt sie aus / und legts eine weile ins Wasser; hierauf werden sie in eben diesem Wasser wohl ausgewaschen / in Essig gelegt / und etliche Tage lang darinnen gebeitzet / nach deme man sie gerne sauer haben mag: ehe man sie aber noch in Essig leget / pflegt man selbige zuvor mit Negelein und Pfeffer ein wenig einzuwürtzen / auch so sie gebraten werden sollen / mit frischen Essig und schlechten Wein nochmal auszuwaschen / mit klein=geschnittenen Speck auf der Brust zierlich zu spicken / mit Saltz / Pfeffer / Negelein / auch / so es beliebt / Cardamomen und Muscaten=Blüh wiederum von neuen einzuwürtzen / und vermittelst eines besonders dazu gehörigen Eisens / mit einem Loch / wodurch der Spieß gehet / an zu stecken / wiewol man dieses Eisen nicht nothwendig hiezu haben muß / sondern / in Ermangelung dessen / sich zweyer höltzerner Zwecke / wie bey den Auerhannen gemeldet / bedienen kan: beedes aber / Eisen und Zwecke sind gar leichtlich zu entrathen: wann man den unten hinein gesteckten Bratspieß / oben bey dem Brust=Bein / mit Vortheil wieder heraus zu bringen weiß; dann wofren so dann die Gans am Hals und an dem Steiß mit einem starcken Faden angebunden wird / ist sie so sehr und wohl bevestiget / daß sie deren ferner nicht benöthiget: dann wird sie / wie bey den Auerhannen gedacht / betreifft / und drey biß vier Stunden lang allgemächlich abgebraten / und alsdann trocken / oder aber in einer Brüh / zu Tisch getragen.

Transkription:

Magdalena Bogenhuber

Zitierempfehlung:
Magdalena Bogenhuber (Transkription): "Eine wilde Gans zu braten.", in: Vollständiges Nürnbergisches Kochbuch (1691), Teil 05, Nr. 015,
online unter: https://gastrosophie.sbg.ac.at/kbforschung/r-datenbank/?rdb_rezepte=eine-wilde-gans-zu-braten (27.09.2022).

Datenbankeintrag erstellt von Magdalena Bogenhuber.